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19. Juni 2026

Planwirtschaft mit Praxisrisiko

Es gibt eine ökonomische Selbstverständlichkeit: Steigt die Nachfrage bei knappem Angebot, steigt der Preis. Im deutschen Kassenarztwesen gilt das Gegenteil — und zwar mit Ansage.

Der Volkswirt Prof. Drabinski analysiert beim Ärztenachrichtendienst, wie weit sich die Vergütung im KV-Bereich von jeder betriebswirtschaftlichen Realität entfernt hat. Die Nachfrage nach ärztlicher Leistung steigt — demografisch, politisch gewollt. Der Preis pro Leistung soll trotzdem sinken. Je mehr gebraucht wird, desto weniger darf es kosten. Drabinskis Wort dafür: Planwirtschaft mit Praxisrisiko.

Der Kern ist die Rollenverteilung. Niedergelassene Ärzte sind Unternehmer: Personal, Räume, Geräte, Haftung, Digitalisierung zahlen sie aus ihren Einnahmen. Bedarf, Mengen und Termine aber definieren Politik, Kassen und KVen. Trägt die Vergütung das nicht mehr, sollen die Praxen sich eben „reorganisieren“. Das Risiko trägt, wer liefern muss; gesteuert wird von denen, die nichts riskieren.

Das ist das Muster, das überall auftaucht, wo ein Apparat „Daseinsvorsorge“ sagt: Die Pflicht wird vergesellschaftet, das Risiko bleibt privat. Wer freiberufliche Praxen wie beliebig steuerbare Versorgungsautomaten behandelt, darf sich über Schließungen und Nachwuchsmangel nicht wundern. Ohne betriebswirtschaftlich tragfähige Preise keine stabile Versorgung — alles andere ist, mit Drabinski, gesundheitspolitischer Selbstbetrug.

Quelle: Ärztenachrichtendienst (aend.de)

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