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14. August 2026

Ich weiß nicht, was auf meinen Platten liegt

Es fing harmlos an, denn gesucht hatte ich nur alte Schulungsunterlagen aus meiner eigenen Feder, geschrieben zwischen 1998 und 2015: SAP, CAD, Geoinformationssysteme, ein paar Sachen für Verlage. Die müßten doch irgendwo auf einer meiner Platten liegen, dachte ich.

Also ließ ich systematisch suchen, erst auf dem Rechner, wo 66.644 Ordner mit 33.772 Dokumenten stehen, dann auf der Synology, dann auf der externen Platte. Am Ende stand da eine Zahl, die mich seither mehr beschäftigt als das Suchergebnis selbst.

Zwölf Terabyte. Neun auf der Synology, drei auf der externen Platte, dazu anderthalb Terabyte verschlüsselte Rechnersicherung. Tatsächlich gelesen, also den Inhalt zur Kenntnis genommen, hatte ich davon zwei Gigabyte. Ein Sechstausendstel.

Ist das Nachlässigkeit? Ich glaube eher, daß es der ganz gewöhnliche Normalzustand von jedem ist, der lange genug Rechner benutzt.

Wonach man sucht, wenn man nicht weiß, was man hat

Der erste Durchgang lief über Dateinamen, und das trägt erstaunlich weit: Wer seine Ordner ordentlich benennt, findet fast alles wieder. Die Frage ist nur, ob man das getan hat.

Teilweise schon. Auf der Synology lag ein Ordner namens Sardu_Schulungszeuch, und darin tatsächlich das Schulungsarchiv: 4.102 Dateien von 1996 bis 2014. Excel 97 bis 2010, Word, PowerPoint, MS Project, InDesign. Der größte Block war nicht Bedienung, sondern Automatisierung, nämlich 1.364 Dateien VBA. Fünfzehn Jahre lang habe ich Sachbearbeitern beigebracht, ihre eigene Arbeit wegzurationalisieren. Darüber schreibe ich ein andermal.

Im selben Ordner lag noch etwas anderes: ein Multiboot-Stick mit zwanzig Systemen. KNOPPIX, Clonezilla, GParted, Parted Magic, acht Rettungsscheiben von Virenscanner-Herstellern, dazu Werkzeuge zum Zurücksetzen von Windows-Kennwörtern. Alles das lag neben den Excel-Übungsdateien auf ein und demselben Stick.

So sah das damals aus. Man fuhr zum Kunden, um Tabellenkalkulation zu unterrichten, und hatte im Rucksack alles dabei, um notfalls die halbe Firma wiederherzustellen.

Was der Dateiname nicht verrät

Der Haken am Namensdurchgang ist offensichtlich: Er findet nur, was jemand richtig benannt hat. Eine Schulungsunterlage namens Praesentation1.ppt rutscht durch. Und was passiert, wenn man stattdessen nach Stichworten sucht, war die zweite Lehrstunde des Tages.

Die Suche meldete 322 Treffer für SAP, und ich war kurz begeistert. Dann schaute ich hinein. Der Treffer stand jedesmal in whatsapp. Sämtliche Treffer für „Messe" kamen aus messenger, die für CAD aus einer Datei namens arcade.js, die für CCC aus Prüfsummen. Von den dreihundertzweiundzwanzig Treffern blieb am Ende praktisch nichts übrig.

Das ist die unangenehme Eigenschaft der Volltextsuche: Sie findet immer etwas. Ob es das Gesuchte ist, sagt sie nicht dazu.

Wozu das gut sein soll

Das hier ist keine Aufräumgeschichte. Es geht um eine Frage, die mich seit Jahren begleitet: Was macht es mit einem Menschen, wenn er alles aufhebt und nichts mehr weiß?

Wir haben in zwanzig Jahren gelernt, nichts mehr wegzuwerfen, weil Speicher billiger wurde als Entscheiden. Das Ergebnis liegt jetzt auf drei Geräten in meiner Wohnung, und ich kann es Ihnen nicht beschreiben, ohne es vorher messen zu lassen.

In den nächsten Teilen wird es konkreter. Zwei Drittel meines Dokumentenarchivs sind Kopien. Ein Archiv von 243 Gigabyte enthielt fast keine Dokumente. Und die Frage, mit der alles anfing, beantwortete am Ende ein einziges Dokument, das ich selbst geschrieben hatte, ohne mich daran zu erinnern.

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