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4. September 2026

Der Lebenslauf wußte mehr als das Archiv

Am Anfang dieser Serie stand eine simple Frage: Wo sind meine alten Schulungsunterlagen? SAP, technisches Zeichnen, Geoinformationssysteme, Redaktionssysteme für einen Verlag, dazu ein Projekt bei der Messe Frankfurt. Alles Dinge, die ich nachweislich gemacht habe.

Die Suche ging über den Rechner, über die Synology, über 860 Gigabyte Archivordner und am Ende über 63,7 Millionen Zeichen ausgelesenen Dokumententext. Ergebnis: nichts. Kein Handout, keine Präsentation, keine Übungsdatei zu einem dieser Themen.

Dann öffnete ich eine Datei namens Bubam_Andreas_cv_2017-08.doc, und da stand alles.

Vier Seiten gegen zwölf Terabyte

Im Abschnitt zu meinen zehn Jahren als Referent, wörtlich: „Ausbildung Technischer Redakteure (gesamtes Portfolio), Linux, VoIP, IT-Sicherheitsseminare, Autodesk AutoCAD (2006-2004), Esri ArcGIS 9.x". Der Kundenbereich daneben: „Print (Heidelberg)", das war die Heidelberger Druckmaschinen AG. Und ein paar Zeilen tiefer eine eigene Station, April bis September 2008, Messe Frankfurt GmbH, mit Co-Projektleitung bei einer SAP-Einführung.

Fünf Fragen, fünf Antworten, mit Datum und Auftraggeber. In einem Dokument von vier Seiten, das ich vor neun Jahren an einem Nachmittag geschrieben, danach irgendwo abgelegt und so gründlich vergessen hatte, daß ich es bei der ganzen Suche kein einziges Mal in Erwägung gezogen habe.

Das Archiv weiß, welche Dateien es enthält. Der Lebenslauf weiß, was ich getan habe. Das ist nicht dasselbe, und es ist der Unterschied zwischen Speichern und Wissen.

Warum die Unterlagen fehlen, und was das lehrt

Die Erklärung ist banal, sobald man sie einmal gehört hat. Ich war Referent für einen Schulungsanbieter. Die Materialien gehörten dem Anbieter, nicht mir. Was auf meinen Platten liegt, ist genau das, was ich selbst gebaut habe: Excel, VBA, Office, InDesign, 4.102 Dateien von 1996 bis 2014, vollständig.

Wer für andere arbeitet, hinterläßt bei sich selbst Lücken. Das galt schon, als Unterlagen noch in Aktenordnern lagen und man wenigstens sehen konnte, was man dem Auftraggeber dagelassen hatte, und es gilt heute ungleich stärker. Was du in fremden Systemen anlegst, ist nicht dein Bestand, auch wenn du es geschrieben hast. Es steht dort, solange jemand anderes den Vertrag verlängert.

Verdichten ist eine Tätigkeit

Ein Lebenslauf ist radikale Auswahl. Zwanzig Stationen auf vier Seiten, jede auf drei Zeilen eingedampft, und trotzdem verlustfrei in dem, worauf es ankommt. Genau diese Arbeit hat im Archiv niemand gemacht, weil sie niemand machen mußte.

Und hier liegt der eigentliche Befund dieser Serie. Speicher ersetzt kein Nachdenken. Ein Bestand wächst von allein, eine Zusammenfassung nicht. Wer nie zusammenfaßt, sitzt irgendwann auf zwölf Terabyte und kann trotzdem nicht sagen, was er gemacht hat.

Wann hast du zuletzt aufgeschrieben, was du in den vergangenen fünf Jahren beruflich getan hast? Nicht für eine Bewerbung, sondern für dich?

Ich hatte Glück. Bei mir gab es das Dokument, weil ich 2013 und 2017 einen Lebenslauf gebraucht habe. Ohne diesen äußeren Anlaß wäre die Antwort auf meine Ausgangsfrage heute nicht auffindbar. Nicht weil sie gelöscht worden wäre, sondern weil sie nie geschrieben worden wäre.

Im letzten Teil geht es um zwei Wörter aus demselben Dokument, die mich seither nicht loslassen.

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